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Die Faszination von Rost
Rost ist die Patina für Eisen. Verbindung mit Glas, Tüchern oder Steinen wird dieses veredelte Metall mit viel Liebe zum Detail und Kreativität zu einem einzigartigen Erlebnis. Seine Bedeutung bekam Eisen schon in der Eisenzeit ( 700 v. Chr.), doch diese unterschied sich gänzlich von der heutigen, denn endlich musste man sich nicht mehr mit dem witterungsunbeständigen, weichen Holz zufrieden geben. In mühsamer Handarbeit schlugen die Menschen das kostbare Erz in Bergwerken aus dem Fels, um in vielen langwierigen Arbeitsschritten das reine Eisen zu gewinnen. Beinahe könnte man sagen, dass es zu dieser Zeit einen größeren Wert als Gold und Silber in der heutigen hatte. Damals war Metall lebensnotwendig für die Menschen, um sich Gebrauchsgegenstände herzustellen und damit den Alltag bestreiten zu können. Später wurden daraus immer mehr Waffen produziert. Zunächst Pfeilspitzen, dann Schwerter, Kanonen, Gewehre, Munition und Panzer. Mit Beginn der Industrialisierung erlangte Eisen in Form von verschiedensten Maschinen zu Glanz und Reichtum auf der einen Seite, aber auch zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen auf der anderen. Die ersten Kriege brachen aus und aus Eisen wurden wieder Waffen gebaut, Inbegriff von Tod und Sterben, Angst und Verderben. Dem Eisen einem kalten, festen und hartem Metall ist dieses Image irgendwo geblieben, obwohl es weit vielseitiger ist. Man hat damit Autos, Brücken und Schiffe gebaut, den Himmel und den Weltraum erobert und so viele Dinge möglich gemacht, die man vorher nicht einmal zu träumen wagte. Immer wieder hat man alte Dinge „recycelt“ und durch neue ersetzt, was Eisen auch zu einem unglaublich wandlungsfähigen, zähen Stoff macht. Bearbeitung: Damals war die Beschaffung unglaublich gefährlich und anstrengend, genauso wie auch die spätere Bearbeitung nur unter extremster Hitze und ungeheurem Kraftaufwand möglich war, was das Modellieren so schwierig machte, ja die Menschen sogar an ihre Grenzen brachte. Nur bestimmten Menschen war es möglich den Rohstoff zu bändigen, weswegen Schmiede zu der damaligen Zeit einen enormen Stellenwert in der Gesellschaft hatten. Heute hat Eisen allerdings einiges an Wert verloren. Es ist nicht unentbehrlich, aber zum Teil ersetzlich. Wo Eisen zu schwer ist wird Aluminium oder Carbon verwendet, wo es zu unbeständig ist, Hartplastik und wo es zu grob ist wird etwas Feineres.
So fand es schließlich auch den Zugang zur Kunst. Auf einmal war es nicht mehr das kalte, steife, widerspenstige, harte Material, sondern durch den Rost etwas filigranes, dynamisches, neues, das es zu erforschen und formen galt. Edelstahl ist nun einer der beliebtesten Stoffe um Schmuck herzustellen, doch auch herkömmlicher Schrott hat wieder einen Wert. Rostige, raue, harte Eisenteile werden mit zerbrechlichem Glas, weichen Tüchern oder ruhenden, glatten Steinen so in Kontrast gesetzt, dass am Ende eine harmonische Komposition entsteht, die sowohl für den Künstler als auch den Beobachter auf verblüffende Art und Weise wunderschön ist. Eigentlich ist Rost eine Zerfallserscheinung und symbolisiert die Vergänglichkeit von Eisen. Dies lässt es dadurch nicht perfekt und unsterblich wirken, sondern sympathisch, denn: Wer ist schon vollkommen? Für uns ist es die Veredelung schlecht hin: Was die Patina für Bronze ist, das ist das Eisenoxid für das Eisen. Alles ist möglich, sowohl eckige, rebellische Formen als auch runde, geschwungene. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und alles wird mit einem Stoffmix aufgewertet. Das Bearbeiten von Eisen ist nicht wie das Malen, bei dem auf Pinselführung und harmonische Farbkombinationen geachtet werden muss, sondern es besteht die Möglichkeit mit Glas, Tücher, Steine, Holz oder Ton einen Akzent auf ein ebenmäßig rostrotes Grundobjekt zu setzen und es so zu einem einzigartigem Kunstobjekt zu machen. Wir geben durch kreativen Schaffensgeist unseren Objekten Leben und hoffen, dass sie bald die gleiche Liebe zum Werkstoff Eisen und den Skulpturen empfinden wie wir. Warum Eisen es trotzdem in die Kunstwelt schaffte, hat wahrscheinlich einfache Gründe: Die Liebe zum eigenwilligen Material in Kombination mit der herrlich warmen Farbe braun. Rost ist ein Oxidationsprodukt von Eisen und Sauerstoff. Wir unterstützen den warmen Ausdruck indem wir Wachs auftragen und einbürsten. Das Resultat ist, leichter und kurzer Schutz vor weiterem Rost…… vielmehr aber unterstützt diese Behandlung die verschiedenen Farbpigmente, die dadurch noch kräftiger hervortreten. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich die Behandlung mit handelsüblichen Lacken, die auf der einen Seite den Rost stoppen bzw. verhindern, aber auch durch die vielfältigen Farbgebungen und Farbstrukturen den Gegenstand in jeden beliebigen Bereich farblich integrieren und auch schützen.
Julia Rosenberger 2009
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